Anton Allram
7. Februar 2009 Anton Allram "Der wilde Mann"
Liebe Veronika! Wie geht es deinem Steißbein und deinem Computer? Auf meinem tschechischen Kalender steht heute Veronika. Daher gibt es gleich noch eine Familiengeschichte.
Anton Allram(12.5.1820-13.9.1886 in Seyfrieds) heiratete am 20.11.1855 die minderjährige (16.9.1832-5.4.1912-wenn ich richtig gerechnet habe, war sie immerhin 23) Thekla Löffler.
Bis es soweit war, verbrachte er 12 Jahre 5Monate u.25Tage beim Militär (war damals immer so lang): 10Jahre im Dragonerregiment August König v.Baiern(hat es nie gegeben),der Oberstwachmeister, der das Dokument ausgestellt hat, scheint dem Branntwein etwas zu häufig zugesprochen zu haben. Wenn etwas August heißt, dann natürlich König von.Sachsen-das ist das Dragonerregiment Nr.3-die sogenannten niederösterreichischen Dragoner. Danach verbrachte er 2Jahre 4 Monate u.10Tage beim14.Linien-Infanterie-Regiment-Großherzog Ludwig v.Hessen in Linz. Das Dokument enthält auch eine Beschreibung:groß, blond, grauäugig, spitznasig mit länglichem Gesicht und spricht Deutsch. Warum er von den Dragonern zur Infanterie kam(sieht doch nach Abstieg aus -vom Pferd auf den Boden), weiß ich nicht. Die Geschichte, die ich erzählen will, stammt jedenfalls aus seiner Dragonerzeit. Eines Tages zog sein Regiment in der Nähe von Seyfrieds vorbei. Er erbat sich einen kurzen Urlaub, um seine Eltern zu besuchen. Er ritt also zum Haus seiner Eltern, band sein Pferd an den Zwetschkenbaum davor, ging in die Stube, sprach die legendären Worte: Grüß euch Gott, Vater! Grüß Euch Gott, Mutter! (zitieren wir immer noch bei einem sehr kurzen Kurzbesuch), erkundigte sich nach dem Befinden der Eltern und ritt wieder zu seiner Einheit zurück. Ob er in seiner Militärzeit an Kämpfen teilgenommen hat, ist nicht überliefert. Das 3.Dragonerregiment hat jedenfalls an der Niederschlagung der Aufstände in Wien und Ungarn 1848 teilgenommen. wie hätte er auch sonst Gelegenheit gehabt einem Fürsten Schwarzenberg das Leben zu retten (welchem weiß ich leider nicht, es hat eine ganze Menge beim k.k.Heer gegeben), wie weiß ich auch nicht- aber da er nicht verwundet wurde (hat keinen Anspruch auf Invaliden-Beneficium- steht in dem Dokument), hat er sich wohl nicht in die Schußlinie geworfen um seinen Kommandanten zu schützen. Aber angeblich hat es gereicht, daß ihm der Fürst eine Rente zahlen wollte, die dein 4xUrgroßvater (war das jetzt Anton oder doch Josef Löffler?) empört mit der Bemerkung zurückgewiesen haben soll: Wenn der sich nicht einmal meinen Namen richtig merken kann (der Vorname war falsch). dann will ich auch kein Geld von ihm (Das kann man glauben: er hat in seinem Jähzorn noch Schlimmeres angestellt). Aber darüber erzähle ich dir ein anderes Mal. Liebe Grüße auch von Franz Luise
Seyfrieds, 9.5.2009 Liebe Veronika!
Keine Angst, das wird kein Brief. Was es bei uns Neues gibt kann Dir Magdalena erzählen. Dass soll die schon vor langer Zeit versprochene Fortsetzung der Geschichte vom „Wilden Mann“ - Anton Allram, dem Ersten (in Seyfrieds 59) werden.
In seiner Entlassung vom Militär steht: ohne Beruf. Kleinhäusler ohne erlerntes Handwerk wurden in unserer Gegend meist Weber, so auch unser Vorfahre Anton. In jedem dieser Weberhäuser gab es mehrere Webstühle. Mein Großvater erzählte, dass es in seiner Kindheit in der großen Stube 5 Webstühle gab – bei jedem Fenster einen. Die Geschichte die ich heute erzählen werde handelt vielleicht auch vom Weben: Eines Tages stürzte sich unser Ahn mit einer Hacke auf die „Föhre“. „Die Föhre“ war auch im meiner Kindheit nicht nur ein Baum sondern eine Ortsbezeichnung. Sie stand am Beginn des Teichdammes auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Von Zeit zu Zeit bekamen wir den Befehl, etwas zur Föhre zu tragen: Das bedeutete, dass man nicht verrottbare Abfälle (Glas, Dosen und Ähnliches) bei der Föhre in den Teich werfen sollte. Jedenfalls eines Tages beschloss unser Ahn die Föhre umzuhacken – angeblich weil sie ihm beim Weben zu viel Licht wegnahm.
Wenn man bedenkt, dass vor dem Haus ja noch die Wiese und die Straße liegen, es sich außerdem um die Nordseite handelte, fragt man sich schon, wie die Föhre das gemacht haben könnte. Ob die Webstühle damals in der Küche standen, weiß ich nicht. Jedenfalls berichtete die Familiensaga, dass der Hauptgrund ein Rausch unseres Ahnen gewesen sein soll. Dafür spricht auch, dass er mit dem Umhacken nicht sehr weit kam. Es gelang ihm aber doch dem Baum eine Kerbe zu schlagen, die man noch sehen konnte, als die Föhre ungefähr hundert Jahre später eines Tages von selbst umfiel. Wir haben auf Großvaters Befehl noch viele Dinge dort in den Teich geworfen – auch als die Föhre nicht mehr stand, beharrte Großvater darauf, dass man etwas zur Föhre tragen solle.